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Die Malediven – für viele ein Paradies am (fast) anderen Ende der Erde mit traumhaften Stränden und einer perfekten Kulisse für eine Robinson Crusoe-Verfilmung. Autos braucht hier eigentlich niemand, wenn man mal von der Hauptinsel Male absieht. Warum auch: die meisten Inseln sind beim abendlichen Strandspaziergang in weniger als einer Stunde umrundet. Hauptverkehrsmittel auf den Malediven sind daher die vielen Boote, die die Inseln miteinander verbinden. Das soll sich zumindest im Addu-Atoll nun ändern: Der neue Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, plant Großes mit dem Traum vieler Fernreisenden. Ob er damit richtig liegt?

Ein Urlaubsparadies zerstört sich selbst

Urlaub im Tauch-Paradies

Als ich mir irgendwann Anfang der 90iger Jahre meinen Traum als Taucher erfüllte und 2 Wochen auf die Malediven flog, wurde ich nicht enttäuscht. Kanifinolhu, eine ca. 800 Meter lange und 150 Meter breite Insel im Nord Male Atoll, war wirklich eine Trauminsel. Damals, als die Insel noch kein Club Med Resort war, hatte man wirklich noch das Gefühl, im Paradies gelandet zu sein. Die Bungalows, teilweise ohne Klimaanlage, waren einfach eingerichtet und man hatte durch die offene Bauweise das Gefühl, morgens direkt am Strand aufzuwachen. Unsere Schuhe wanderten für 14 Tage in den Koffer. 3 Tauchgänge am Tag, die restliche Zeit unter einer schattenspendenden Palme ein Buch zur Hand nehmen und relaxen – Urlaub pur …

Eine Straße als Verbindung zwischen Einheimischen und Touristen

Die Zeiten haben sich geändert. Die Malediven sind ohne Frage immer noch ein Traum. Allerdings sind die Hotelanlagen luxuriöser geworden und bieten alles, was der Luxustourist sucht: Spa, Kindergarten, Unterhaltung. Nur das Gefühl, auf einer einsamen Insel zu sein, können diese Hotelanlagen oftmals nicht mehr bieten. Langeweile soll nicht aufkommen, und so wird ein ausgefeiltes Unterhaltungsprogramm, wie es überall auf der Welt vorzufinden ist, angeboten. Damit haben meines Erachtens viele Malediveninseln eine Entwicklung eingeschlagen, die an den Wünschen vieler Reisender vorbeigeht. In der Wirtschaft würde man sagen, dass die Malediven damit Ihr USP (unique selling proposition oder auch Alleinstellungsmerkmal) verspielt haben. Natürlich gibt es sie noch, die einsamen Perlen im indischen Ozean. Aber es werden weniger, und wenn man bei Spiegel Online liest, wie stark sich die Malediven wandeln möchten, befürchte ich fast schon, dass dieses Urlaubsparadies bald nicht mehr den Titel Paradies innehaben wird.

Rennstrecke auf 17 Kilometern Länge

Im Addu-Atoll gibt es jetzt eine richtige Straße. Die Straße verbindet über Brücken und Dämme einige Inseln miteinander und ist mit 17 Kilometern die längste Straße der Malediven. Und wenn es nach dem neuen Präsidenten der Malediven geht, soll genau diese Straße Teil einer Touristenattraktion werden. Die Straße soll Touristen an dem Leben der bisher von Ausländern per Gesetz ferngehaltenen Einheimischen teilnehmen lassen. Nach der Idee von Nasheed sollen sich auf den Inseln luxuriöse Hotels ansiedeln. Und damit die Inselurlauber auch bloß nicht seekrank werden oder auf den wackligen Dhonis auf dem Weg zur Nobelunterkunft zu sehr mit dem Meer in Verbindung geraten, ist vom neuen Flughafen aus ein Highway zu den Hotels entstanden. Ein erstes Hotel wurde kurz nach Eröffnung geschlossen und später neu eröffnet. Ein zweites Hotel wurde von der Hongkonger Hotelkette „Shangri-La“ auf der Insel Villingili eröffnet – vom maledivischen Staat gefördert. Nur die Touristen bleiben wohl noch aus. Scheinbar haben diese dann doch eine andere Vorstellung von einem Maledivenurlaub.

Der Spiegel schreibt:

Die Malediven sollen nicht mehr nur tropische Bilderbuch-Destination für Ferien-Robinsons auf einsamen Palmeninseln mit 150 Metern Durchmesser sein, sondern künftig auch mehr denn je als Ziel für kulturbeflissene Reisende mit Interesse an Alltag und Traditionen der Einheimischen wahrgenommen werden.

(Quelle: http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,720434,00.html)

Mal im Ernst: Glaubt wirklich irgend jemand, dass man entlang dieser Straße den wirklichen Alltag und die Traditionen der Einheimischen vorfindet? Oder entstehen links und rechts der Straße mehr die typischen Touristenläden, die billigen Ramsch aus China im Maledivenstil verkaufen? Ist es nicht ein Widerspruch in sich, auf einer Miniinsel mitten im Indischen Ozean Urlaub zu machen, um dort eine Straße als touristisches Highlight vorzufinden? Nichts gegen einen touristischen Wandel auf den Malediven. Aber nicht in Form eines Vergnügungsparks für gelangweilte Touristen. Dafür sind die Malediven definitiv nicht der geeignete Platz.

Für Menschen, die noch die richtigen Malediven suchen und nicht vom Motorenlärm von vorbeifahrenden Doppeldecker-Touristenbussen auf Sightseeing-Touren geweckt werden möchten, gibt es natürlich noch andere Möglichkeiten. Von einfachsten Unterkünften, die immer seltener werden, bis hin zum Luxusresort findet man noch viele Inseln, die einem das Gefühl vom Paradies geben. Alle Malediven-Angebote findet Ihr hier:  http://ow.ly/2VKAa.

Autor: Ralf Becker, Marketing-Manager von Reisen.com
Mein Urlaubsgeschmack ist sehr unterschiedlich. Ich kann sehr gut auf jeglichen Komfort verzichten, wenn dafür das Urlaubsziel viel zu bieten hat. Allerdings bin ich auch nicht abgeneigt, richtig luxuriös die Urlaubstage zu verbringen.

Meine schönsten Reisen: Südafrika, Borneo, Venezuela, Thailand, Malaysia und Bali.
Meine nächsten Ziele:
Namibia (Frühjahr 2010), New York
Wo ich noch hin möchte:
Australien, Neuseeland, Azoren und den Rest der Welt 🙂

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Mittwoch, 20. Oktober 2010 und wurde abgelegt unter "Magazin, Reisetrends, Tauchspecials". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.